Christian Deegen

Der Weg der Dahlie nach Bad Köstritz

Die aus den Hochebenen von Mexico stammenden Wildformen der Dahlie gelangten um 1785 nach Europa.Erstmals wurden diese Blumenpflanzen vom Direktor des Madrider botanischen Gartens A.J.Cavanilles um 1790 wissenschaftlich beschrieben. Zu Ehren des schwedischen Botanikers Anders Dahl nannte er diese Blumengattung "Dahlia". Alexander von Humboldt brachte nach seiner Amerikareise 1804 für den botanischen Garten von Berlin Samen dieser rot- und orangefarbenen Wildblume mit.

Um 1808 gelangten Dahlien in die Gartenanlagen des Schlosses Belvedere bei Weimar. Der Köstritzer Fürst Heinrich XLIII. Reuß j.L. pflegte enge Kontakte zum Hofe des Großherzogs Carl August und so kamen die Dahlien vermutlich von dort aus 1809 auch in die fürstlichen Gärten nach Köstritz. Damals wies ein Weimarer Pflanzenverzeichnis fünf verschiedene Dahlien aus, diese wurden im deutschsprachigen Raum fälschlich "Georginen" bezeichnet. Es waren die Georgina variabilis rosea, G. var. purpurea, G.var. lilacina sowie die Georgina coccinea und die Georgina pinnata.

Bei der Amtsübergabe des Köstritzer Hofgärtners Felder an seinen Nachfolger Mulisch waren 1810 im Pflanzenbereich des Parks auch die Georgina variabilis purpurea und die G. var. lilacina enthalten. Somit belegt dieses Datum genau den Beginn der Köstritzer Dahlientradition.
Der lunge Christian Deegen erwarb 1812 aus den botanischen Gärten Weimar, Jena und Leipzig seine ersten Dahlien, die er mit großer Begeisterung im heimatlichen Kahla züchtete. Schon bald hatte er ein beachtliches Sortiment seiner "Georginen" zusammengetragen. Durch einen Lotteriegewinn vermögend geworden, zog Christian Deegen 1824 nach Köstritz und erwarb das leer stehende Fürstliche Palais mit dessen parkähnlichen Garten.
1826 eröffnete er die erste deutsche Handelsgärtnerei mit Dahlien und erweiterte durch intensive autodidaktische Studien sein Wissen. Noch im gleichen Jahr gab er den ersten Garten katalog "Samenpflanzen und Georginen" heraus - weitere 60 Jahrgänge sollten diesem noch folgen.

Neben der Deegen`schen Handelsgärtnerei entstanden in den Folgejahren noch weitere. 1836 eröffnete der zweite Köstritzer Altmeister der deutschen Dahlienzucht, Johann Sieckmann, seine Gärtnerei und begründete damit den europaweiten Ruhm von Köstritz als eine "Stadt der Blumen". Er erwarb sich hohes Ansehen auch durch seine weithin bekannte Rosenzucht. Die Wiege der deutschen Hochstammrose stand hier in Köstritz in seinen Gartenanlagen.

Heute setzen mehrere Gärtnereien in Bad Köstritz - wenn auch teilweise mit anderen Prämissen - diese gärtnerischen Traditionen fort. Führend sind hierbei die Betriebe "Paul Panzer" (als letzer Dahlienzüchter von Bad Köstritz), der Gartenbaubetrieb "Schade"(direkter Sieckmann Nachfolger) und der Betrieb "Franz Deegen - Nachf".
Christian Deegen
am 28.10.1798 in Kahla geboren
gilt als einer der Begründer der deutschen Dahlienzüchtung.
Ch. Deegen starb hochgeehrt am 01.12.1888 in Köstritz.

Seit 1998 ehrt Bad Köstritz alljährlich zum Dahlienfest auf Empfehlung der DDFGG verdienstvolle Dahlienfreunde mit der "CH.-Deegen-Medaille" der Stadt Bad Köstritz.

Seit 2007 wird das Erbe von Christian Deegen im "Dahlienzentrum" einem BUGA Begleitprojekt,  in den  Bereichen Ständige Ausstellung , dem Deutschen Dahlien Archiv und im Lehr und Schaugarten mit seiner Züchtung "Kaiser Wilhelm" gewürdigt und bewahrt.